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Wissenschaft auf Achse

23.07.2015

Manfred Ronzheimer

DAAD präsentierte neue Zahlen zum Studieren im Ausland

Pressekonferenz im BMBF (MR)

Noch nie studierten so viele Ausländer an deutschen Hochschulen wie heute. Im vergangenen Jahr wurde erstmals die Schwelle von 300.000 überschritten – exakt waren 2014 insgesamt 301.350 ausländische Studenten an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Die größte Gruppe (28.000) kommt aus China, gefolgt von Russland und erstmals Indien auf Rang 3.

In der Gegenrichtung begaben sich 138.500 deutsche Studierende im Jahr 2012 zu einem oder mehreren Studiensemestern ins Ausland. Auch hier eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr 2011 (136.000). Lieblingsländer waren die nahen Nachbarn Österreich, Niederlande, Schweiz und Großbritannien. USA mit 9.800 kommt aber schon auf Platz fünf.

Diese Zahlen finden sich in dem Bericht „Wissenschaft weltoffen 2015" hervor, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Austauschdient (DAAD) und dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) heute in den Räumen des BMBF in Berlin vorgestellt hat. Einschätzungen zum Stand der Internationalisierung der deutschen Wissenschaft – Incoming wie Outgoing – gaben in einem Pressegespräch Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, und Prof. Dr. Margret Wintermantel, Präsidentin des DAAD. Details zu den Daten erläuterten außerdem die Autoren der Publikation: Dr. Ulrich Heublein, Experte für Studierendenforschung beim DZHW und Dr. Jan Kercher, Experte für externe Studien & Statistiken beim DAAD.

„Jeder neunte Studierende in Deutschland stammt inzwischen aus dem Ausland, Tendenz weiter steigend. Einen besseren Beweis für die internationale Anziehungskraft unserer Hochschulen gibt es kaum. Dass die Hochschulen heute diese Attraktivität haben, liegt auch an unseren massiven Investitionen. Der Bund hat seine Ausgaben für Hochschulen seit 2005 fast verdreifacht", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. „Die weltweite Mobilität fördert nicht nur den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch, wir möchten auch gute Fachkräfte für uns gewinnen. Wir brauchen die besten Köpfe von überall her, um unsere Innovationskraft zu erhalten und den demografischen Wandel zu meistern." (1)

„Bei der internationalen Mobilität spielt Deutschland auch als Herkunftsland eine wichtige Rolle. Noch nie waren mehr deutsche Studierende während ihres Studiums zeitweise im Ausland als heute", sagte DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel. „Dort lernen sie andere Arbeitsweisen und Strukturen kennen und erhalten damit einen anderen Blick auf die eigene Arbeit. Wissenschaft lebt vom internationalen Dialog." (1)

 

Was sind positive Entwicklungen, was ist kritisch zu bewerten?

Deutschlands Attraktivität für Studierende aus dem Ausland ist weiter gestiegen. Als beliebtestes Gastland rangiert es jetzt nach USA und Großbritannien auf Platz 3. Erstmals wurde auch die Marke von 100.000 Studienanfängern aus dem Ausland geknackt. Erstaunlicher Beliebtheit erfreuen sich die ostdeutschen Hochschulen. Nach dem unschlagbaren Berlin mit 35 Prozent ausländischer Studienanfänger in 2013 haben die nächsthöchsten Anteile die Länder Brandenburg (29,5), Sachsen (26,7) und Thüringen (23,7).

Beim genauen Blick auf die Herkunftsländer fällt auf, dass es in der Hochschulmobilität kein „Kerneuropa" gibt. Obwohl politisch viel auf die Achse Deutschland-Frankreich gehalten wird, studieren inzwischen mehr jungen Menschen aus Bulgarien an deutschen Hochschulen als Franzosen, und mehr Ukrainer als Italiener. Bemerkenswert.

Mit ihrer Integration in die deutsche Wissenschaftsgesellschaft sind 70 Prozent der Ausländer zufrieden, aber nur 45 Prozent haben guten Kontakt zu ihren deutschen Kommilitonen. Hier ist Handlungsbedarf. Es sollen jetzt allem solche deutsche Studenten angesprochen werden, den Kontakt zu den Ausländer zu verbessern, die selbst schon mal in einem anderen Land studierten, und eine solche Situation aus eigenem Erleben kennen („erste Fremdheit").

Wer sich wohlfühlt, bleibt eher. Etwa die Hälfte der ausländischen Studierenden will in Deutschland über das Studium hinaus bleiben, was für den Arbeitsmarkt ein Gewinn ist. Wanka: „Das ist eine gute Bleibe-Quote, aber wir wollen noch mehr". Kontinuierlich wird an Verbesserungen gearbeitet. Als Beispiel nannte die Ministerin in der Presskonferenz, dass das Bleiberecht dahin geändert wurde, dass ausländische Jugendliche ihre im Heimatland begonnene Ausbildung in Deutschland beenden können. BAföG wird an Flüchtlinge, die studieren, ab dem 15. Monat gezahlt.

Die statistische Mobilitäts-Erfassung, die bei den Studenten vollzogen ist, steht bei den Wissenschaftlern dagegen noch aus, wie Heublein bemerkte. Er nannte zwar die Zahlen: 2013 gab es 52.000 Gast-Aufenthalte ausländischer Wissenschaftler in Deutschland, 2012 waren es 45.000. Umgekehrt gab es 18.000 Aufenthalte deutscher Wissenschaftler im Ausland (vor allem USA, GB und Italien), im Vorjahr waren es 16.000. Dies bezieht sich aber nur auf die Austausche, die von den großen Forschungsorganisationen und Stiftungen gefördert werden. Keine Klarheit besteht – nicht mal Größenordnungen konnten in der Pressekonferenz genannt werden – wie viele Wissenschaftler-Austausche über die Hochschulen abgewickelt werden. Diese Wissenslücke soll jetzt mit der Novellierung des Hochschulstatistikgesetzes geschlossen werden.

 

(1) http://www.bmbf.de/press/3828.php
(1a) https://www.daad.de/presse/pressemitteilungen/de/36475-erstmals-ueber-00-000-auslaendische-studierende-in-deutschland/

Die Publikation „Wissenschaft Weltoffen 2015" sowie weitere Informationen finden Sie unter: http://www.wissenschaftweltoffen.de/publikation/wiwe_2015_verlinkt.pdf und unter: http://www.bmbf.de/de/15945.php