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Standards für die Welt-Forschung

26.07.2013

Manfred Ronzheimer

Das Global Research Council kam zu seinem zweiten Treffen nach Deutschland

Bildquelle: David Ausserhofer/DFG

Bildquelle: David Ausserhofer/DFG

Mehr als eine Billion Dollar. Im einstigen Kassenraum der Preußischen Seehandlung, später Preußische Staatsbank, war noch nie eine derartige Kapitalkraft versammelt. Über dieses Finanzvolumen können die rund 70 Forschungsmanager verfügen, die sich an diesem Ort – heute der Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften – Ende Mai versammelt hatten. Es war das zweite Treffen einer Vereinigung, die erst seit dem vorigen Jahr besteht: dem Globalen Forschungsrat, „Global Research Council“ (GRC).

In diesem „freiwilligen, informellen Zusammenschluss“ haben sich die Organisationen aus der ganzen Welt zusammen gefunden, die in ihren Ländern für die Finanzierung und Betreuung der öffentlichen Forschung zuständig sind. Auch wenn es sich um öffentliche Finanzmittel handelt, die vom Staat aus dem Steueraufkommen bereitgestellt werden, geschieht deren Verteilung an die Forscher in weitergehend wissenschaftlicher Selbstverwaltung und nach wissenschaftlichen Kriterien. In Deutschland ist die führende Einrichtung dieser Art die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die auch bei der Gründung des GRC Pate stand. DFG-Präsident Peter Strohschneider war Gastgeber des Berliner Treffens. Von den insgesamt 1,4 Billionen Dollar, die derzeit weltweit jährlich in Forschung und Entwicklung investiert werden – davon zu jeweils einem Dritten in Amerika, Europa und Asien –, werden 80 bis 90 Prozent über die rund 70 Organisationen des GRC bewilligt.

Wissenschaft expandiert weltweit und besonders auch in den Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien. Gerade den Nationen, die erst in jüngerer Zeit verstärkt Wissenschaft und Forschung aufbauen, will der GRC die etablierten Standards des wissenschaftlichen Arbeitens nahe bringen. Die Forschungslandkarte der Erde beginne sich zu verändern, benannte der ehemalige Direktor der National Science Foundation (NSF), Subra Suresh, eine Motivation zur Gründung des GRC. „Kein einzelnes Land kann heute alle Wissenschaftsgebiete allein abdecken, was zu stärkerer Kooperation führt“, erklärte der US-Forscher. Damit verbunden sei die wachsende Mobilität der Forscher.

„Wissenschaft ist heute globalisiert, aber grundlegende Standards müssen noch weiter verbreitet werden“, erklärte Glaucius Oliva, der Präsident des Brasilianischen Nationalen Forschungsrates (CNPq) ist und die Tagung mit der DFG gemeinsam veranstaltete. Ein Schwerpunkt ist dabei die Verbreitung einer „guten wissenschaftlichen Praxis“, die gewährleistet, dass wissenschaftliche Tätigkeit überall nach gleichen und vergleichbaren Standards stattfindet. Etwa bei der Dokumentation von Experimenten, aber auch bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse. Hierzu fasste der GRC auf seinem zweiten Treffen in Berlin wegweisende Beschlüsse.

Zum Thema „Open Access“, dem freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen, verabschiedete das GRC einen Aktionsplan. Er sieht vor allem drei Handlungsansätze, um Veröffentlichungspraktiken in einzelnen Ländern, aber auch international zu verbessern. Es gehe dabei um Ermutigung, Bewusstseinsbildung und praktische Unterstützung für Open Access. Derzeit werden nach Schätzungen des GRC nur 20 Prozent der Forschungsergebnisse in öffentlich zugänglicher Weise publiziert.

Der zweite Debattenstrang galt dem Thema „Wissenschaftliche Integrität“. Auch hier beschlossen die 70 Delegierten ein Grundsatzpapier. In ihm wird sowohl die Eigenverantwortlichkeit des Forschers für seine korrekt zustande gekommenen Ergebnisse angesprochen, wie ebenso die Pflicht der Förderorganisationen, den Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis Geltung zu verschaffen. Die sieben Prinzipien, die behandelt werden, sind: Leadership, Promotion (encourage institutions), Education, Transparent Processes, Response to Allegations of Misconduct, Conditions for Research Support, International Cooperation. Beide Dokumente waren seit Herbst 2012 in mehreren Regionalkonferenzen vorbereitet worden.

Strohschneider maß der Annahme beider Papiere hohe Bedeutung zu. „Die Integrität von Forschung und Open Access sind zwei hochkomplexe Themengebiete mit Auswirkungen für alle Forschungsförder-Organisationen“, betonte der DFG-Präsident. Vor diesem Hintergrund sei die Beschlussfassung „umso beachtenswerter“.

Der GRC hatte sich im Mai 2012 in Washington auf Einladung der US-amerikanischen National Science Foundation konstituiert. Damals verabschiedeten 47 Spitzenvertreter von Forschungs- und Förderorganisationen aus 44 Ländern ein erstes gemeinsames Papier zu Standards des „Merit Review“.

Das nächste GRC-Jahrestreffen wird 2014 auf Einladung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking stattfinden. Mitveranstalter ist der kanadische Forschungsrat der Natur- und Technikwissenschaften NSERC.

Weitere Informationen:
http://www.globalresearchcouncil.org
http://www.dfg.de/grc2013

Bildquelle: David Ausserhofer/DFG