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Neue Informationsinfrastruktur für die Wissenschaft

04.05.2011

Das Kontinuum des Wissens auf der Fachkonferenz „informare“ in Berlin

Die deutschen Wissenschaftseinrichtungen haben Vorstellungen entwickelt, wie mit Fachinformationen zu Forschung und Technik in Zukunft umgegangen werden soll. Eine 250 Seiten starke Studie zu einem nationalen Gesamtkonzept für die Informationsinfrastruktur wird in den kommenden Woche vom Bund-Länder-Gremium GWK beraten. Auf der Fachtagung „informare“ berichtete Sabine Brünger-Weilandt, Geschäftsführerin des FIZ Karlsruhe, in ihrer Funktion als Präsidiumsbeauftragte der Leibniz-Gemeinschaft für Informationsinfrastruktur am Dienstag über die Grundzüge des Berichts der Kommission Zukunft der Informationsinfrastruktur“ (KII).

Der Auftrag zur KII-Studie war 2009 von der GWK erteilt worden. Seitdem hatten sich 135 Experten aus 54 deutschen Wissenschaftseinrichtungen in 65 Treffen zu acht thematischen Arbeitsgruppen über die Herausforderungen für die Fachinformation der Zukunft ausgetauscht und den Bericht erarbeitet. Einbezogen in die Beratungen waren auch die wissenschaftlichen Verlage über ihre im Börsenverein-Gruppierung AwV. Fünf der acht Themen waren auch schon von der Allianz-Initiative Digitale Information unter Federführung der DFG behandelt worden, bzw sind parallel in Arbeit. Nach der GWK-Beratung soll der nächste Umsetzungsschritt über den Wissenschaftsrat erfolgen.

Folgende acht Themen werden in den Bericht behandelt und für jeden davon Handlungsvorschläge unterbreitet.

  1. Lizenzierung
  2. Hosting / Langzeitarchivierung
  3. Nichttextuelle Materialien
  4. Retrodigitalisierung / kulturelles Erbe
  5. Virtuelle Forschungsumgebungen
  6. Open Access / elektronisches Publizieren
  7. Forschungsdaten
  8. Informationskompetenz / Ausbildung

Generell sei die Situation so, berichtete Brünger-Weilandt in ihrem Übersichtsvortrag über Geschichte und Zukunft der Fachinformation in Deutschland, dass neben dem Anstieg des Datenvolumens vor allem die konzentrierte forscherische Beschäftigung mit großen gesellschaftlichen Themen („grand challenges“) neue Herausforderungen an den Umgang mit Information stellten. Als Stichworte nannte die Leibniz-Geschäftsführerin Open Access und Open Data, das Hosting von digitalem Content sowie die Langzeitverfügbarkeit und sichere Nachweisbarkeit. Dies seien neue Aufgaben für die Fachinformation, die zu den klassischen hinzukämen und dementsprechende neue Infrastrukturen benötigten.

Stefan Gradmann, Leiter des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität Berlin und Präsident der DGI (Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis) gab mit der Eingangskeynote einen Grundsatzvortrag über Wissen, Nicht-Wissen, Unwissen und Halbwissen.

Er baute auf dem vierstufigen DIKW-Standardmodell auf, auch als „Kontinuum“ bezeichnet. Erste Stufe sind die Daten, die „atomaren Einheiten“ des Kontinuums, sie sind nur Elementarteilchen und haben noch keinerlei Bedeutung. In der zweiten Stufen aggregieren sich die Daten nach bestimmten Mustern und werden zu Informationen. Jetzt bekommen sie eine Bedeutung. In der dritten Stufen wird aus Information Wissen und zwar dadurch, dass es mit übergreifenden Kontexten in Bezug gesetzt wird. Das sind soziale und semantische Kontexte. Ganz zentral auf dieser Ebene ist die Sprache und ihre Syntax. Letzte Stufe (aber nicht „pyramidal“, wie Gradmann betonte) ist die „Weisheit“ (in der englischen DIKW-Abbrevation Data, Information, Knowledge, Wisdom).

Gradmann bekannte, mit diesem Begriff nicht sonderlich zu sympathisieren und schlug als alternative Bezeichnung für die vierte Stufe des Kontinuums das „Kreative Denken“ oder die „Kunst“ vor. Illustriert wurde das mit einer Börsentabelle, aus der ein Kunstwerk entsteht.

Generell sei über den Übergang vom Datum zur Information schon vieles bekannt, ganz gegenteilig zum Übergang vom Wissen zum Kreativen Denken. Für die Konferenz empfahl Gradmann den Fokus auf den Übergangsbereich von der Information zum Wissen zu legen und sich hierzu mit den Techniken der Kontextualisierung zu beschäftigen. So zur sozialen Kontextualisierung wie sie sich im Internet derzeit unter dem Stichwort „social web“ ereigne. Wie auch zur semantischen Kontextualisierung (Stichwort: Linked Data, früher Semantic Web), das unter anderen am Beispiel des EU-Museumsprojekts Europeana verdeutlicht wurde.

Manfred Ronzheimer