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MPG zum künftigen Wissenschaftssystem

12.07.2013

Manfred Ronzheimer

Neue Vorschläge: Professuren an den Hochschulen und Max Planck Centern

Noch ganz knapp vor den am Dienstag in Braunschweig begonnenen abschließenden Beratungen des Wissenschaftsrates zum künftigen Wissenschaftssystem in Deutschland hat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ihre Vorstellungen dazu veröffentlicht.

Positionspapier der Max-Planck-Gesellschaft

Hervorzuheben an dem Positionspapier ist die unausgesprochene Maxime „Das Wir gewinnt“, nämlich in der Weise, dass keineswegs nur für die Förderung der MPG argumentiert wird, sondern eine ganz starke Betonung auf der Unterstützung der Hochschulen liegt. Wenn diese von den schuldengebremsten Ländern in den kommenden Jahren kaputtgespart würden, könnte eine Reihe von wissenschaftlichen Exzellenzträumen zerplatzen.

Deshalb bringt das MPG-Papier zwei neue Struktur-Vorschläge, die sich nur zusammen mit den Hochschulen realisieren lassen. 1. Die Max-Planck-Professuren, die an bestehende Forschungsgruppen an Universitäten angedockt werden. „Über eine Sonderfinanzierung des Bundes können, für eine Dauer von jeweils zehn bis 15 Jahren etwa 15 Max-Planck-Professuren mit einem Gesamtvolumen von bis zu 50 Millionen Euro pro Jahr eingerichtet werden.“ 2. Max Planck Center, zu denen sich ein Max-Planck-Institut (MPI) mit einer deutschen Universität und einem ausländischen Wissenschaftspartner verbünden, um auf ihrem gemeinsamen Thema eine internationale Spitzenstellung zu erobern. Das Modell wird von der MPG bereits im Ausland praktiziert. In Deutschland soll es zunächst drei bis vier MP-Center geben, langfristig an die 15.

Ansonsten kommen die üblichen Wünsche: Fortsetzung des Pakts für Forschung und Innovation mit fünf Prozent Aufwuchs jährlich, Grundgesetzänderung für eine Finanzierungsbeteiligung des Bundes, Erhöhung der Overhead-Pauschalen et cetera.

Die Forderung von MPG-Präsident Gruss, statt des Wissenschaftsrates sollte eine internationale Expertenkommission die Empfehlung für das künftige Wissenschaftssystem Deutschlands abgeben – vor einem Monat auf der Mitgliederversammlung in Potsdam erhoben –, taucht nicht wieder auf. Dafür sollte das neue System nach einer Weile von ausländischen Experten gesamtevaluiert werden, nach dem Muster der Systemevaluierung von Deutschen Forschungsgemeinschaft und MPG aus dem Jahre 1999.

In welchen Bereichen inhaltlich geforscht werden soll, dazu äußert sich das MPG-Papier nicht. Nur im einleitenden Kapitel findet sich ein bemerkenswerter Absatz. Was wie Fraunhofer beginnt, endet wie Helmholtz: „Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Industrienationen hängt unmittelbar von ihrer Innovationskraft und damit der Stärke ihrer Wissenschaftssysteme ab. Für Deutschland mit seinen hohen Lohn- und Produktionskosten gilt dies in besonderer Weise: Forschung und Entwicklung sind für unser Land zentrale Bedingungen, um unsere hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und auszubauen. Ein analoger Zusammenhang existiert zwischen der wissenschaftlichen Leistungskraft und der Fähigkeit, die großen gesellschaftlichen Fragen zu lösen. Nur mit einer hochentwickelten Forschung lassen sich heute Lösungsstrategien für die zentralen Herausforderungen erarbeiten, vom Klimawandel bis zum demografischen Wandel. Deshalb müssen Bildung, Forschung und Innovation essenzielle Bestandteile einer nachhaltigen Wachstumsstrategie Deutschlands sein.“

Gesellschaftliche Fragen und Nachhaltigkeit – das sind neue Töne bei Max-Planck.