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DFG blickt auf 60 Jahre zurück

08.07.2011

Die Milliarden der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG hielt vom 4. bis 6. Juli ihre Jahresversammlung in Bonn ab. Am 7.7. informierte DFG-Präsident Matthias Kleiner in Berlin in der Jahrespressekonferenz über die Themen der Veranstaltung. Außerdem nahm er Stellung zur Kritik an der DFG, die in der vorigen Woche von „Wut-Wissenschaftlern“ in Berlin artikuliert worden war. Gestreift wurden  die aktuellen Plagiats-Vorwürfe gegen KMK-Präsident Althusmann und ihre Folgen für die wissenschaftliche Qualitätssicherung.

Die wichtigen Themen der Bonner Tagung, die Kleiner zusammenfasste, waren: (1) Selbstverwaltung der Wissenschaft. Das Tagungsmotto „Gemeinsam für die Forschung“ rekurrierte auf die Neugründung der DFG im Sommer 1951, die nach den Erfahrungen der NS-Zeit in deutlicher Distanz zur Politik erfolgte. Staatswissenschaft war passe, die Forscher wollten autonom sein und auch ihre Mittel dafür selbst verwalten. Im letzten Jahr entschieden über 12.000 Wissenschaftler über Qualität und Förderung von 17.000 Forschungsanträgen. Die Kompetenz läuft in 48 Fachkollegien zusammen, in die 600 Vertreter von den insgesamt rund 100.000 Wissenschaftlern in Deutschland alle vier Jahre gewählt werden.  Die nächste Wahl für dieses  „Parlament der Wissenschaft“  steht im  Nov/Dez an. Die Wahl erfolgt online und gilt als eine der „weltweit größten Online-Wahlen“, wie Kleiner betonte.

(2) Transparenz. Um die Übersicht über die insgesamt 80.000 Forschungsprojekte der DFG zu verbessern, wurde  das elektronische  Projektinformationssystem GEPRIS  zehn Jahre nach seinem Start in einer überarbeiteten Online-Version Anfang Juli vorgestellt. Umfassende Online-Informationen bieten auch die Portale „Research Explorer“ und „Hochschulkompass“ von HRK, DAAD und DFG, die seit kurzem miteinander verbunden sind.  Im Mai wurde ein neues Programm zum Aufbau von Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten mit 27 Projekten gestartet. (Berichte dazu folgen).

(3) Wissenschaftliches Fehlverhalten. Hier wurde die DFG-Verfahrensordnung überarbeitet. Unter Federführung der DFG wird in der zweiten Jahreshälfte eine  Tagung der Wissenschaftsallianz zur Selbstkontrolle der Wissenschaft stattfinden. (4) Internationalisierung. Das DFG-Präsidium stellte auf der MV eine neue „Internationalisierungs-Strategie“, bei der die DFG im Ausland mit anderen Akteuren wie AvHS und DAAD zusammenarbeiten will. Man wolle über Einzelprojekte hinaus „gemeinsame Forschungsräume“ erschließen, so Kleiner. (5) Forschungspolitik. Hier dankte Kleiner vor allem Bund und Ländern für die Finanzierung der drei Pakte und die Verstetigung des Aufwuchses: „Überaus segensreich für die Wissenschaft in Deutschland“.  (6) Forschungszentrum für Biodiversität. Hier wählte der DFG-Senat am 5.7. die Konzepte von vier Universitäten aus, die nun Vollanträge stellen können. Das ausgewählte Zentrum kann für max 12 Jahre jährliche Fördergelder von 4-7 Mio Euro beantragen. Die Entscheidung trifft der DFG-Hauptausschuss im April 2012.  (7) Wahl von fünf neuen Mitgliedern im DFG-Senat.

Finanzzahlen aus dem Jahresbericht 2010

Wichtiges Dokument zur Jahresversammlung war der Jahresbericht 2010.  Danach verfügte die DFG im Jahr 2010 über Einnahmen in Höhe von  2,310 Mrd Euro. Im Vorjahr waren es  2,201 Mrd Euro.

Die Gelder kamen zu 67 Prozent vom Bund und zu knapp 33 Prozent von den Ländern (0,2 Prozent aus Stiftungen und privaten Zuwendungen).  Die Finanzmittel seitens des Bundes teilten sich 2010 auf die institutionelle Förderung (900 Mio), die Programmpauschale (257 Mio) und die Projektförderung (392 Mio). Die Länder gaben 653 Mio Euro für die institutionelle und 100 Mio für die Projektförderung. Weitere 2 Mio Euro kamen von der ESF.

Wofür wurde das Geld ausgegeben?  (Die folgenden Zahlen  beziehen sich auf den Haushaltsteil S.217 ff. In der Tabelle 6 auf S. 160 sind zu den gleichen Posten deutlich abweichende Zahlen angegeben. Das verwirrt den Datenjournalisten) 

Die Verwaltung kostete 56 Mio Euro, davon 38 Mio fürs Personal.  Im Förderhaushalt A, das ist der Kern der DFG-Projekte, wurden 1,7 Mrd Euro ausgegeben, davon der größere Teil (1,032 Mrd) für die Einzelprojekte und der Rest für SFB (477 Mio), Emmy-Noether-Programm (52), Leibniz-Programm (16) , Graduierten-Kollegs (117) und DFG-Forschungszentren (41).  Genauer betrachtet fließen bei der Allgemeinen Forschungsförderung (1,032 Mrd) nur etwa zwei Drittel in die Förderung von Einzelvorhaben (610 Mio). Weitere 150 Mio gehen in Schwerpunktprogramme, 117 Mio an Forschungsgruppen und 24 Mio werden als Stipendien vergeben. Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme kosteten die DFG 45 Mio Euro. Internationale Tagungen wurden mit 6,5 Mio gefördert. Die ESF erhielt von der DFG  7,2 Mio  an Mitgliedsbeiträgen (davon flossen, wie im Einnahmeteil vermerkt, 2 Mio wieder zurück)

Im Förderhaushalt B (494 Mio) sammeln sich unterschiedliche bunt gemischte Ausgabeposten, darunter als größter die Förderung der Exzellenzinitiative mit 393 Mio Euro (Allerdings gibt es im Jahresbericht zu diesem Posten unterschiedliche Angaben. Auf S. 226 werden 393 Mio angegeben, auf S. 160: 433 Mio.)   Für die Großgeräte der Hochschulen gab die DFG im letzten Jahr  85 Mio Euro.

Wie verteilen sich die Gelder inhaltlich? 39 Prozent der Bewilligungen in der Einzelförderung und den koordinierten Programmen gingen 2010 in den Bereich Lebenswissenschaften (767 Mio Euro). Auf Rang 2 kommen die Naturwissenschaften mit 24 Prozent (470 Mio), knapp gefolgt von den Ingenieurwissenschaften (22 Prozent) (440 Mio). Die vierte Fördersäule, die Geistes- und Sozialwissenschaften, hat einen Anteil von knapp 15 Prozent, was 286 Mio Euro entspricht. Die Anteile der vier Fächergruppen sind in den letzten Jahren gleich geblieben, nur die Naturwissenschaften haben leicht abgebaut (Grafik Seite 162).

Wenn man die Mittelvergabe auf einzelne Fachgebiete aufgliedert (Seite 164), ergibt sich folgendes Ranking:

  • Medizin erhält 484 Mio Euro
  • Biologie 242
  • Physik 179
  • Geisteswissenschaften 172
  • Elektrotechnik, Informatik 142
  • Chemie 129
  • Sozialwissenschaften 114

Manfred Ronzheimer für  Lemmens Online