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Akkreditierung auf Wiedervorlage

30.01.2012

Die Winter-Beratungen des Wissenschaftsrates

Dem Papier zur Qualitätssicherung fehlte die Qualität zur Zustimmung. Auf seiner Wintersitzung in der vorigen Woche lehnte der Wissenschaftsrat eine Beschlussfassung seiner „Empfehlungen zur Qualitätssicherung durch Akkreditierung“ ab und bestellte eine verbesserte Fassung für die Beratungsrunde im Mai 2012. Eigentlich wollte die WR-Spitze heute auf ihrer Pressekonferenz in Berlin die Akkreditierungs-Empfehlungen als den wichtigsten Beratungspunkt präsentieren und erläutern. „Aber eine Verabschiedung kam nicht zustande“, sagte WR-Generalsekretär Thomas May  in Vertretung des Vorsitzenden Wolfgang Marquardt, der in Brüssel an einer Konferenz des Europäischen Forschungsraumes teilnahm.

Woran hat’s gelegen? Viel Arbeit über anderthalb Jahre war in den Entwurf des Akkreditierungs-Papiers geflossen. Doch was heraus  kam, stellte nur die Verwaltungs-Kommission, die politische Bank im WR zufrieden. Die Wissenschaftliche Kommission empfand die Darstellung als „zu metaphysisch“, mit wolkig-verblasenen Beschreibungen einer hochschulpolitischen Realität, die von den vor Ort agierenden Wissenschaftlern anders wahrgenommen wurde. Laut May empfand die WK den Text als „zu positiv und zu apologetisch“. Gefordert wurde eine „differenziertere Darstellung“.  Nun wird der Text umgearbeitet und auf der Mai-Sitzung in Bremen neu vorgelegt, um ihn dann – war sich der GS sicher – „erfolgreich zu verabschieden“.

Anlass des Dissenses ist es, dass die Qualität von Bachelor- und Master- Studiengängen künftig nicht mehr von den Bundesländern (und ihren Rahmenprüfungsordnungen für die Hochschulen)  normiert und kontrolliert werden soll. Vielmehr soll diese Akkreditierung privaten Agenturen übertragen werden, um auf diese Weise zu vergleichbaren  Qualitätsstandards zu gelangen. Wie geeignet diese Akkreditierungsagenturen dafür sind, ist  allerdings umstritten.

Ein anderes schweres politisches Wasser hat der WR offenbar erfolgreich umschifft. Die Aufhebung des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern ist wissenschaftspolitisch derzeit das heißeste Eisen, und überall im politischen Raum – zuletzt am Freitag in der Plenardebatte des Bundestages zum Bildungsföderalismus - wurde auf den Weißen Ritter des Wissenschaftsrates gewartet, der mit einer Stellungsnahme für die Vorbereitung neuer Verhältnisse in der Bund-Länder-Finanzierung sorgen sollte. Daraus wird nichts, wie in der PK klargestellt wurde.

Das neu beschlossene Arbeitsprogramm des WR umfasst zehn Arbeitsgruppen  -  May: „Das zeigt den großen Beratungsbedarf, den es gibt“ -, unter ihnen Evaluationen der Bremer Hochschulstruktur, des hessischen Exzellenzprogramms LOEWE oder der Außenbeziehungen der Alexander von Humboldt-Stiftung. Eine Arbeitsgruppe, die vom Vorsitzenden Marquardt selbst geleitet wird, erkundet die Perspektiven für das deutsche Wissenschaftssystem 2020. Dies allerdings in grundsätzlicher Weise. Erst auf Grundlage dieser Empfehlungen, die im Frühjahr 2013 vorliegen werden, könnten dann auch Finanzierungsmodalitäten und Reformoptionen des GG Art 91b angegangen werden. Aber erst dann und nicht jetzt.

Weiter befasste sich der Wissenschaftsrat mit der strategischen Weiterentwicklung des Hoch- und Höchstleistungsrechnens in Deutschland und verabschiedete dazu ein Positionspapier. http://www.wissenschaftsrat.de/index.php?id=410&

Akkreditierungsentscheidungen (zwei positiv, eine negativ) ergingen zur Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe, Bonn, der International University of Cooperative Education IUCE, Freiburg, und der SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien, Calw. http://www.wissenschaftsrat.de/index.php?id=411&

Die Umsetzung früherer Empfehlungen wurde in vier Fällen nachverfolgt: Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), Braunschweig und Berlin, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bonn sowie Forschungsanstalt der Bundeswehr für Wasserschall- und Geophysik (FWG), Kiel. http://www.wissenschaftsrat.de/index.php?id=412&

Bei den Wahlen im Wissenschaftsrat  wurde Wolfgang Marquardt erneut zum Vorsitzenden gewählt.  Er ist das einzige männliche Mitglied in der ansonsten rein weiblich besetzten Führungsriege des Wissenschaftsrates, denn beide Kommissionen stehen jetzt erstmals unter rein weiblicher Leitung.  So haben für die Wissenschaftliche Kommission erstmals zwei Wissenschaftlerinnen den Vorsitz übernommen. Die Verwaltungskommission wird schon seit einem Jahr von einem weiblichen Führungsduo angeführt. http://www.wissenschaftsrat.de/index.php?id=413&

Weitere neue Mitglieder im WR hier: http://www.wissenschaftsrat.de/index.php?id=415&

Die nächsten Termine in diesem Jahr:

Frühjahrssitzungen des Wissenschaftsrates 23. - 25. Mai 2012, Bremen

Sommersitzungen des Wissenschaftsrates, 11. - 13. Juli 2012, Berlin

Herbstsitzungen des Wissenschaftsrates, 07. - 09. November 2012, Hamburg

Manfred Ronzheimer