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Akademische Ausgründungen besser fördern

28.02.2012

Acatech untersuchte die Rolle von Inkubatoren in Deutschland

Eindrücke von der Abschlussveranstaltung 'Wie Inkubatoren akademische Hightech-Ausgründungen besser fördern können'. Quelle: acatech/Steffen Weigelt

Hightech-Gründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind ein wichtiges Element für die Innovationsdynamik eines Landes. In Deutschland läuft dieser Transfer über Köpfe zu langsam und ineffizient. Acatech, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, hat jetzt in einer Studie untersucht, welchen Beitrag Inkubatoren leisten können, um das akademische Gründungsgeschehen zu verbessern. Die Studie und die daraus resultierenden Empfehlungen wurden am 27. Februar 2012 in einer Veranstaltung in den Räumen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von den Projektleitern Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. e. h. Dieter Spath, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und  acatech Vizepräsident, sowie  Prof. Dr. Achim Walter, Lehrstuhl für Gründungs- und Innovationsmanagement der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel, vorgestellt.

Zur Ausgangssituation verweist die Studie darauf, das der mangelnde Technologietransfer sich auch an der Zahl der Existenzgründungen in Deutschland ablesen lässt.  Nach einer Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 20092 nimmt Deutschland im Vergleich mit 17 Ländern weltweit nur Platz zwölf ein. Die höchste Gründungsaktivität zeigt demnach Korea. Die Acatech-Studie stellt fest: „Die Ausgründung von Spin-offs und Umsetzung von Ideen in Produkte erfährt in der akademischen Welt hierzulande wenig Anerkennung. Die Jungunternehmer, die dennoch den Schritt aus der Wissenschaft hinaus auf den Markt wagen, stehen dort vor vielen Hürden. Nur wenigen Spin-offs gelingt es, die hohen Wachstumserwartungen zu erfüllen. Es fehlt ihnen an Marktwissen und Industrieerfahrung, an finanziellen und personellen Ressourcen sowie an konkreten Anwendungsmöglichkeiten für ihre Technologie.“

Das Erkenntnisinteresse der Acatech-Studie war auf die Rolle der „Inkubatoren“ gerichtet. Derne Definition laut Studie: „Darunter fallen Gründerzentren als auch Technologietransferstellen von Universitäten und den großen Forschungsorganisationen.Inkubatoren verfolgen das Ziel, entwicklungsfördernde Unterstützung für Geschäftsideen und Unternehmensneugründungen in den ersten Jahren ihrer Existenz zu leisten. Die Unterstützungsleistungen von Inkubatoren tragen maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg akademischer Spin-offs  bei. Weltweit existieren inzwischen mehrere Tausend Inkubatoren, in Deutschland beläuft sich ihre Zahl auf mehrere Hundert.“

Achim Walter nannte in seinem Vortrag die Zahl von rund 400 Inkubatoren in Deutschland und bis zu 3000 in Europa und 7000 weltweit. Allerdings werden darunter offenbar alle Technologie- und Gründerzentren der regionalen Wirtschaftsförderung verstanden und nicht ausschließlich Einrichtungen mit Wissenschaftsbezug. Die Acatech-Erhebung benutzte die Datenbank des Dachverbandes ADT und konnte mit einem Rücklauf von 80 Fragebogen arbeiten. Seit 2000 hat es in Deutschland  80 Studien über Inkubatoren gegeben, weltweit über 130, hatte die Vorab-Recherche ergeben. Dabei handelt es sich aber immer um Einzel-Projekte. Es fehle nach wie vor an einer großzahligen empirischen Untersuchung, die beantworten könne, wie Inkubatoren auf den Erfolg ihrer Mietunternehmen Einfluß nehmen können, sagte Walter.

Die  Acatech-Studie stellte vier zentrale Elemente in den Mittelpunkt, die Inkubatoren benötigen: die Auswahl der Unternehmen (das Screening), ihre Beratung (das Coaching), die Netzwerke (Transfer, Beziehung zu Hochschulen) sowie die Infrastruktur (Technik).  Nach Analyse dieser Elemente gelangt die Studie zu folgenden Empfehlungen:

acatech empfiehlt,

1. die juristische und betriebswirtschaftliche Beratung für Spin-offs auszubauen.

Dazu dient ein Mentorenprogramm, in dem erfahrene Unternehmer Spin-offs bei ihren individuellen Herausforderungen begleiten. Die Kontaktvermittlung zu Experten wie Patentanwälten ist zu verbessern. Beratungs- und Messegutscheine im Rahmen bestehender Förderprogramme des Bundes unterstützen dabei. Eine deutschlandweite Zertifizierung der Experten gewährleistet die Qualität der Beratung.

2. das Netzwerk der Inkubatoren zu erweitern.

Durch Kontakte zu ehemaligen Spin-offs (Alumni) sowie einen Beirat profitieren Inkubatoren und ihre Jungunternehmen von externem Sachverstand. Der Erfahrungsaustausch der Inkubatoren untereinander ist zu stärken.

3. die Finanzierung für Spin-offs zu erleichtern.

Inkubatoren müssen Gründer bei der Suche nach und den Verhandlungen mit Investoren unterstützen. Regionale Venturecapital-Fonds nach dem Vorbild des „High-Tech Gründerfonds“, der Ausbau bestehender Förderprogramme und steuerliche Anreize für potenzielle Kapitalgeber erweitern die Finanzierungsmöglichkeiten für Spin-offs.

4. vorhandene Infrastruktur in den Inkubatoren gegenseitig zu nutzen.

Inkubatoren sollten untereinander Spinoffs an diejenige Institution vermitteln, die den spezifischen Bedürfnissen des Jungunternehmens am besten gerecht wird.

5. die Motivation für Existenzgründungen zu stärken.

Anreizsysteme für Technologietransfer ermuntern die Leiter von Forschungsinstituten, Preisauslobungen für erfolgreiche Ausgründungen erreichen junge Akademiker. Über Existenzgründung muss bereits in der schulischen und universitären Bildung aufgeklärt werden.

MR

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Download der Publikation

http://www.acatech.de/fileadmin/user_upload/Baumstruktur_nach_Website/Acatech/root/
de/Publikationen/Stellungnahmen/acatech_POSITION_Inkubatorlandschaft_WEB.pdf

Hier weitere Informationen:

http://www.acatech.de/inkubator

Einladung und Programm der Abschlußpräsentation

http://www.acatech.de/fileadmin/user_upload/Vera/acatech_Einladung_Inkubator_final.pdf

http://www.acatech.de