EDITORIAL
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Themen aus der Gruppe finanzieren

Unabhängiger Journalismus ist ein hohes Gut. Um dies zu erhalten, gehen wir neue Wege. Seit über einem Jahr stellen wir als Redaktion fachliche Themen zur Diskussion. Unsere Leser bewerten deren Wichtigkeit. Bereits hierdurch beteiligen sie sich an der redaktionellen Arbeit. Aus dieser Sammlung ist ein lesenswerter Überblick der vergangenen Monate entstanden.


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Wichtige Termine der Forschungs- und Hochschulpolitik in Deutschland – Ein Service von lemmens online


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Leser beteiligen sich an der Themenfindung


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Citizen Science

Bürger im Dialog mit Wissenschaftlern


Aktuelles und Crowdfunding

Journalismus

23. Oktober 2012 | Alina Steinmetz

Vom Themenranking zum Crowdfunding

Redaktion und Leser treffen sich im Dialog – Interesse an Recherchen steigt

Leser bewerten Redaktionsthemen. Das Portal lemmens online sammelte hierzu fast ein Jahr lang Erfahrung. Artikel aus der Hochschul-, Forschungs- und Innovationspolitik kamen zu einem guten Teil im Dialog zwischen Bürgern und Autoren zustande. Um unsere Leser in die Berichterstattung einzubeziehen, startete die Redaktion Ende vergangenen Jahres das Themenranking. Alle Ergebnisse der regelmäßigen Befragung finden sich im Ressort Themenranking auf der Website. Und dieser Beitrag fasst die wichtigsten Trends zusammen – ein Jahr deutsche Forschungs- und Innovationspolitik im Überblick. Künftig gehen wir noch weiter: Das sogenannte Crowdfunding bietet ab sofort die Möglichkeit, vorgeschlagene oder ausgewählte Themen finanziell zu unterstützen. Kommt das veranschlagte Budget für die Recherche zusammen, wird gearbeitet am Artikel und anschließend auf der Website publiziert. Die journalistischen Beiträge können dann kostenfrei weiterverendet werden. Auch Privatpersonen können ihre Ideen einbringen. So soll ein qualitativ hochwertiger und unabhängiger Journalismus gewährleistet werden.

Wirtschaft und Technik

Mit dem Rankingstart im November 2011 setzte sich das „Cloud Computing“ als Thema durch. Es bezeichnet einen Ansatz, abstrahierte Informationen technischer Geräte über ein Netzwerk zur Verfügung zu stellen, sodass diese wie eine Art Wolke ohne direkte Kabelverbindung übertragen werden können. Im Dezember folgten dann die „Industrieforschung“ und das Projekt „Kapital in Köpfen“. Der Stifterverband Iegte neue Zahlen zu den Forschungs- und Entwicklungsausgaben der deutschen Wirtschaft vor, mit Aussagen darüber, welche Veränderungen sich gegenüber dem Vorjahr erkennen lassen und in welchen Branchen eine überdurchschnittliche Innovationsdynamik zu spüren ist. Das Projekt „Kapital in Köpfen“ gewann deutlich gegen die anderen zur Auswahl stehenden Themen. Die Technologiestiftung Berlin hat untersucht, welche Bedeutung das Humankapital für das Wirtschaftswachstum der Hauptstadt hat. Die vorgelegten Zahlen dokumentieren das große Reservoir der Hauptstadtregion an hochqualifizierten Fachkräften. Gemessen an den Erwerbspersonen übt in Berlin jeder zweite eine hochqualifizierte Tätigkeit aus beziehungsweise kann den nötigen Bildungsabschluss hierfür vorweisen. Das Kapital ist also vorhanden, gilt es nur dies vorteilhaft einzusetzen. Entsprechende Fähigkeiten werden auf der CEBIT vermittelt, die sich auch gegen die konkurrierenden Themen auf lemmens online durchsetzen konnte. Sie findet jedes Jahr auf dem Messegelände Hannover statt und kam im Jahr 2012 auf über 4000 Aussteller. Auch die deutsche Akademie der Technikwissenschaften organisiert jährlich eine Veranstaltung für Technik- und Technologieinteressierte. Dieses Jahr mit dem Thema: „Internet und Gesellschaft. Google, Facebook oder Twitter – Segen oder Fluch?“

Forschungsstrategien und Nachhaltigkeit

Im ursprünglichen Wortsinn beschreibt „Nachhaltigkeit“ eine „längere Zeit anhaltende Wirkung“. Das Konzept beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und der Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann. Einen zusammenhängenden Begriff bilden die „Innovationen“. Im November 2011 wurde dies zum Thema des lemmens online Rankings gewählt. Es geht speziell um die Frage, wie der Mangel an natürlichen Ressourcen auf lange Sicht hin kompensiert werden kann? Dafür benötigt es eines Fortschritts beziehungsweise einer Forschung zur Entdeckung neuer Methoden und Möglichkeiten. Verbunden mit dem Mangel an natürlichen Ressourcen ist das Thema der Welternährung. Im Januar stellten wir uns die Frage: „Wie kann die deutsche Forschung dazu beitragen, die Lage der Welternährung zu verbessern? Das Thema des Welthungers ist allgegenwärtig und es müssen dringend Ansätze gefunden werden, gegen diesen vorzugehen.

Energie und Umwelt

Die Präsenz des Innovationsfeldes Energie und Umwelt ist in jedem Monat zu spüren. Während sich im Dezember die „Elektromobilität“, mit der Frage „Wer bekommt welche Fördergelder?“ durchsetzt, interessiert die Leser im Januar die Bioenergie. Dieses Voting steht in Zusammenhang mit der Entscheidung des Bioökonomierats, Äcker sollen nicht für Sprit, sondern für Nahrungsmittel verwendet werden. Auch „Fukushima“ zeigt sich noch als Thema, mit einem Rückblick auf die Katastrophe in Japan, das im Februar 2012 die Zustimmung der meisten User fand. Im Hinblick auf diesen Anstoß, die Atomkraftwerke abzuschalten, ist ein neuer Energieverband entstanden. „Helmholtz Energy-Trans“ ist ein Forschungsverbund der Helmholtz-Gemeinschaft, der in der Energiewende nicht allein ein technisches Projekt sieht, sondern zu ihrem Gelingen auch das gesellschaftliche Umfeld berücksichtigt und aktiv mit einbeziehen will. Dabei soll die Transformation des Energiesystems vor allem von der Bedarfs- und Nutzerseite aus betrachtet werden. Auch im Juni ausgewählt wurde die „Umweltwoche“. Teilnehmer waren einhundert Organisationen, Gemeinden, Unternehmen, Schulen und Privatpersonen. Drei Punkte standen im Mittelpunkt der Veranstaltungen und Aktionen an den neun Tagen (vom 2. bis 10. Juni 2012): Die Schätze unserer Umwelt, die Möglichkeiten, die wir haben, um sie zu bewahren, und die Menschen, die sich um sie bemühen.

Wissenschaftspolitik

Einen weiteren Themenkomplex macht die Wissenschaftspolitik aus. Das Jahr beginnt mit dem Wunsch nach einem Ausblick, welche Themen 2012 auf die Gesellschaft zu kommen und welche Veränderungen es geben wird. Das Verlangen nach mehr Kontakt zwischen Politik und Gesellschaft wird geäußert. Es soll zeitnah eine Internetplattform entstehen, auf welcher die Bürger Fragen an Politiker stellen könnten, ein sogenanntes „Abgeordnetenwatch“. Einen ähnlichen „Innovationsdialog“ mit der Kanzlerin gibt es bereits. Dieses Jahr zum Thema: „Technologiefelder und Dienstleistungsinnovationen mit hohem Potenzial für Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland.“

Das wichtigste Instrument der Bundesregierung zur Umsetzung ihrer Innovationspolitik ist die sogenannte „Hightech-Strategie“. Von 2006 bis 2009 flossen 14,6 Milliarden Euro in 17 Zukunftsfelder und damit verbundene Querschnittsaktivitäten. Themen sind beispielsweise Biotechnologie, Energieforschung, aber auch menschengerechte Arbeitsgestaltung. Die Hightech-Strategie für Deutschland zielt insbesondere auf eine stärkere Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Dabei sollen Transferwege geschaffen werden, die eine effiziente Umwandlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Ideen in marktfähige Produkte entwickeln. Auch zur Messung der Innovationsfähigkeit dient in Zügen der Bundesforschungsbericht. Dieser wird alle zwei Jahre veröffentlicht. In diesem Jahr lobt die Bundesregierung die deutsche Forschung: So werden in Deutschland so viele wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht wie in keinem anderen Land sonst.

Wissenschaftssystem

Eine nächste große Säule der Interessen bildet das Wissenschaftssystem. Hierzu gehört unter anderem der „Wissenschaftsnachwuchs“, Thema eines öffentlichen Fachgesprächs, für das die Nutzer sich im März besonders interessierten. Geleitet wurde es vom Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages. Das deutsche Wissenschaftssystem verändert sich. Hochschulen entwickeln differenzierte Profile und müssen global agieren. Neue Kooperationsmodelle zwischen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen etablieren sich. In der Friedrich-Ebert-Stiftung wurde im April über die „Strukturen des Wissenschaftssystems nach 2017“ diskutiert. Wird die Exzellenzinitiative ähnliche ungeplante Nebenfolgen zeitigen wie die Bologna-Reform? Interessant ist, dass hierbei nicht nur Experten mit einbezogen werden müssen. Ganz allgemein wird immer öfter das Thema „Citizen Science“ angesprochen: Bürger, die im Dialog mit ausgebildeten Wissenschaftlern forschen, untersuchen und analysieren – und auch auf der fünften „Living Knowledge Konferenz“ in Bonn im Mai 2012. Europaweit sind Ansätze auffindbar, die eine Brücke zwischen Bürgern und Wissenschaft schlagen. Auch auf die Kommunikation bezogen. 1999 forderten die führenden deutschen Wissenschaftsorganisationen in einem Memorandum mehr Engagement von Forschern im Dialog mit der Öffentlichkeit. Heute eröffnen Blogs, YouTube, Google und viele mehr Wissenschaftlern nahezu schrankenlose Möglichkeiten aktiver Kommunikation (Juni 2012).

Forschungsförderung

Auch die Forschungsförderung wurde in die Auswahl mit einbezogen. Dreimal setzten sich Themen um Förderer durch. Die Volkswagenstiftung, die seit 1962 viele Projekte unterstützt, feierte im März 2012 Jubiläum. Im April zieht die Fraunhofer-Gesellschaft in München ihre Bilanz fürs Geschäftsjahr 2011, im dem das für angewandte Forschung eingesetzte Finanzvolumen um zwölf Prozent auf 1,85 Milliarden Euro stieg. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft wird fast ausschließlich von Bund und Ländern finanziert. Im Mai stellte sie sich folgenden Reflexionen: Welche Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen erhalten wie viele Fördergelder für ihre Forschung? Von wem kommen diese Drittmittel? Und wie tragen sie zu Profilbildung und Wettbewerb in Wissenschaft und Forschung bei?


Themenranking 2011 - 2012

Das Themenranking spiegelt die Interessen der User und Leser wider. Deutlich ist, dass sowohl aktuelle als auch zukunftsorientierte Themen sehr beliebt sind. Aktuelle Ereignisse und Entwicklungen stehen im Fokus. Mit dem Ranking hat lemmens online zwischen November 2011 und Juli 2012 auf Leserinteressen reagiert. Hier die Top-Themen der Wochen:

  • 31. Oktober - 6. November: Cloud Computing
  • 7. November - 13. November: Forum des Fortschritts
  • 14. November - 20. November: Innovationen
  • 21. November - 4. Dezember: Plagiatsfälle
  • 5. Dezember - 11. Dezember: Industrieforschung
  • 12. Dezember - 18. Dezember: Elektromobilität
  • 19. Dezember - 25. Dezember: Kapital in Köpfen
  • 2. Januar - 8. Januar: Ausblick Wissenschaftspolitik 2012
  • 9. Januar - 15. Januar: Welternährung
  • 16. Januar - 22. Januar: Heldenprinzip
  • 23. Januar - 29. Januar: Bioenergie
  • 30. Januar - 5. Februar: Stromnetze
  • 6. Februar - 12. Februar: Transformationsforschung
  • 13. Februar - 19. Februar: Fukushima
  • 20. Februar - 26. Februar: Superrechner
  • 27. Februar - 4. März: Innovationsdialog mit der Kanzlerin
  • 5. März - 11. März: CEBIT
  • 12. März - 18. März: Volkswagenstiftung
  • 19. März - 25. März: Abgeordnetenwatch
  • 26. März - 1. April: Wissenschaftsnachwuchs
  • 2. April - 8. April: Hightechstrategie
  • 9. April - 15. April: Quartalsbilanz Wissenschaft im Bundestag
  • 16. April - 22. April: Fraunhofer
  • 23. April - 29. April: Wissenschaftssystem
  • 30. April - 6. Mai: Technikwissenschaften
  • 7. Mai - 13. Mai: Bürgerwissenschaft
  • 14. Mai - 20. Mai: Bundesforschungsbericht
  • 21. Mai - 28. Mai: DFG
  • 29. Mai - 3. Juni: Eventisierung
  • 4. Juni - 10. Juni: Umweltwoche
  • 11. Juni - 17. Juni: Transformationskongress
  • 18. Juni - 24. Juni: Wissenschaftskommunikation
  • 25. Juni - 1. Juli: Helmholtz Energy-Trans
  • 2. Juli - 8. Juli: Energiewende

 

Grafik: pixelio / 552792 Gerd Altmann