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Innovationspolitik

Technologiefelder und Wagniskapital

29.02.2012

3. Innovationsdialog von Wissenschaft und Wirtschaft mit Kanzlerin Merkel

Zu ihrem 3. Innovationsdialog kam Bundeskanzlerin Merkel am 27. Februar 2012 mit Spitzenrepräsentanten aus Wirtschaft und Wissenschaft im Bundeskanzleramt zusammen. Das Thema des Abends lautete „Technologiefelder und Dienstleistungsinnovationen mit hohem Potenzial für Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland“.  Zentrale Fragen waren: Wie gut ist Deutschland bei aktuellen und zukünftigen Schlüsseltechnologien positioniert? Wie wirkt sich die zunehmende Integration von Gütern und Dienstleistungen auf die Wertschöpfung in Deutschland aus? (1)

Die Vertreter der Bundesregierung waren Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Philipp Rösler, Forschungsministerin Annette Schavan und Kanzleramtsminister Ronald Pofalla.

Mehr Wagniskapital mobilisieren

Als wichtigstes Ergebnis wurde im Anschluß an die Sitzung bekannt gegeben, dass die  Bundesregierung die Finanzierung junger innovativer Unternehmen in Deutschland weiter verbessern werde. „Wir wollen mehr Wagniskapital für deutsche Unternehmen mobilisieren, um unsere Position im internationalen Innovationswettbewerb weiter zu stärken“, sagte die Bundeskanzlerin. (2)

Damit griff die Bundeskanzlerin das Thema des letzten Innovationsdialogs auf, bei dem schwerpunktmäßig die Finanzierungsbedingungen innovativer Unternehmensgründungen diskutiert wurden. (1) Bereits im Oktober 2011 hatte die Bundesregierung zusammen mit der Wirtschaft den „High-Tech-Gründerfonds II“ eingeführt. Um weiteres Beteiligungskapital zu mobilisieren, lege die Bundesregierung nun eine neue Investitionszulage für so genannte Business Angels auf, wurde mitgeteilt.  Darüber hinaus prüft die Bundesregierung bis zur Sommerpause, wie noch in dieser Legislaturperiode die steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital verbessert werden können.

Technologiefelder und Dienstleistungen der Zukunft

Des Weiteren erörterte der Innovationsdialog Technologiefelder und Dienstleistungsinnovationen, von denen ein wichtiger Beitrag zu Wohlstand und Beschäftigung zu erwarten ist. Dabei ging es sowohl um bestimmte  Technologien sowie damit verbundene industrieinduzierten Dienstleistungen, die sich bereits auf den Markt zubewegen (Zeithorizont: ca. 5 Jahre) als auch um längere Zeithorizonte (ca. 20 Jahre) bzw. um Technologien, die sich heute in der Grundlagen- und angewandten Forschung abzeichnen.

Ein Steuerkreis des Innovationsdialogs, der von Acatech organisiert wird, hatte Technologiefelder und Dienstleistungsinnovationen identifiziert, die als besonders relevant anzusehen sind. Aus dem Steuerkreis hatten Prof. Dr. Peter Gruss (Präsident der Max-Planck-Gesellschaft), Michael Sommer (Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes) und Dr. Dieter Zetsche (Vorstandsvorsitzender der Daimler AG) die Patenschaft für die Vorbereitung dieses komplexen Themas übernommen. Vorsitzender des Steuerkreises des Innovationsdialogs ist acatech Präsident Prof. Dr. Henning Kagermann. (1)

Würdigung der High-Tech-Strategie

Die Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft würdigten die strategische Ausrichtung der Forschungs- und Innovationspolitik der Bundesregierung. In der High-Tech-Strategie der Bundesregierung seien die Herausforderungen unserer Zeit zutreffend benannt. Dazu gehören die Bereiche Gesundheit, Ernährung, demographischer Wandel, Mobilität, Klima, Energie und Rohstoffe sowie Kommunikation und IT-Sicherheit sowie die Schlüsseltechnologien Nanotechnologie, IKT, Biotechnologie und  Mikroelektronik. (2).

Da die meisten der genannten Herausforderungen zunehmend branchen- und sektorenübergreifende Lösungen verlangen, wurden die von der Bundesregierung initiierten Koordinationsstrukturen wie IT-Gipfel und Nationale Plattform Elektromobilität unterstützt. Auch die Bedeutung des „German Engineering“, die Fähigkeit zur Realisierung und Beherrschung komplexer Systeme sowie die Notwendigkeit der technologischen Offenheit des Innovationssystems in der gesamten Breite betonten die Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft. (1)

Vorbereitung durch Acatech>

In einem Rechercheschritt hatte Acatech als Geschäftsstelle für den Innovationsdialog zunächst die nationale und internationale Literatur zu den zukünftigen technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Hinblick auf Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotenziale für den Standort Deutschland ausgewertet.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden in einem zweiten Schritt durch explorative Interviews mit 60 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ergänzt. Die Auswertung der Experteninterviews diente als Gesprächsgrundlage des Innovationsdialogs.

Der Innovationsdialog wird inhaltlich von einer Geschäftsstelle vorbereiten, die bei acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften angesiedelt ist. Die konstituierende Sitzung fand am 13. September 2010 statt, eine zweite Sitzung gab es am 7. April 2011.

Nächste Themen des Innovationsdialogs

Thema des nächsten Innovationsdialogs ist die Stärkung der internationalen Ausrichtung der deutschen Innovationspolitik. Das Thema Technologieaußenpolitik wird dann am Beispiel ausgewählter Länder Asiens erörtert werden. (2)

Die Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft im Innovationsdialog sind:

Prof. Dr. Henning Kagermann, Präsident von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Vorsitz)
Prof. Dr. Dr. Andreas Barner, Sprecher der Unternehmensleitung der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG
Dr. Ute Bergner, Unternehmensgründerin und Geschäftsführerin der VACOM Vakuum Komponenten & Messtechnik GmbH
Prof. Dr. Bruno O. Braun, Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure
Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung
Dr. Jürgen Großmann, Vorsitzender des Vorstands der RWE AG
Prof. Dr. Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft
Prof. Dr. Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina
Prof. Dietmar Harhoff, Ph.D., Ludwig-Maximilians-Universität München, Vorstand des Instituts für Innovationsforschung, Technologiemanagement und Entrepreneurship
Prof. Dr. Stephan A. Jansen, Präsident der Zeppelin Universität gGmbH
Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach
Michael Sommer, Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes
Dr. Peter Terhart, Alleinvorstand der S-REFIT AG
Dr. Manfred Wittenstein, Vorsitzender des Vorstands der Wittenstein AG
Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG

Reaktion der Business Angels

In einer ersten Reaktion begrüßte das Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) die Ankündigungen zur Verbesserung des Wagniskapitals. BAND-Vorstand Dr. Ute Günther sprach von einem „Richtung weisenden Beschluss, der einen Durchbruch bei den Bemühungen um die Anerkennung der volkswirtschaftliche Bedeutung von Business Angels-Investitionen“ darstelle. (4)

BAND werde den frisch geknüpften Faden aufgreifen und auf dem Deutschen Business Angels Tag am 11./12.03.2012 einen neuen Diskussionsworkshop einstellen mit dem Thema: „Das britische Enterprise Investment Scheme - Vorbild für Deutschland?“ Denn offensichtlich ist es das britische Modell, das von der Grundstruktur Pate steht.

Zusammenstellung: Manfred Ronzheimer

(1) http://innovationsdialog.acatech.de/aktuelles-und-presse/27-februar-
2012-dritter-innovationsdialog.html

(2) ttp://www.bundesregierung.de/Content/DE/Pressemitteilungen
/BPA/2012/02/2012-02-28-innovationsdialog.html?nn=391796

(3) http://innovationsdialog.acatech.de/themen/technologiefelder-
und-dienstleistungsinnovationen-mit-wertschoepfungspotenzial.html

(4) http://www.business-angels.de/default.aspx/G/111327/L/1031/
R/-1/T/131081/A/1/ID/134700/P/0/LK/-1