EDITORIAL
Editorial

Themen aus der Gruppe finanzieren

Unabhängiger Journalismus ist ein hohes Gut. Um dies zu erhalten, gehen wir neue Wege. Seit über einem Jahr stellen wir als Redaktion fachliche Themen zur Diskussion. Unsere Leser bewerten deren Wichtigkeit. Bereits hierdurch beteiligen sie sich an der redaktionellen Arbeit. Aus dieser Sammlung ist ein lesenswerter Überblick der vergangenen Monate entstanden.


NEWSLETTER

Mit unserem Newsletter immer auf dem Laufenden.


TERMINE

Bundeswissenschafts- woche

Wichtige Termine der Forschungs- und Hochschulpolitik in Deutschland – Ein Service von lemmens online


FACHJOURNALISMUS

Crowdfunding

Leser beteiligen sich an der Themenfindung


FORSCHUNG

Citizen Science

Bürger im Dialog mit Wissenschaftlern


Innovationspolitik

Studie zum Technologiestransfer in Berlin

21.07.2011

Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft am liebsten über Köpfe

Die TSB Technologiestiftung Berlin hat den Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft näher untersucht. Eine entsprechende Studie wurde am Montag vorgestellt. Erstellt wurde die Studie von der TSB-Mitarbeiterin Gesa Koglin. Sie ist unter dem Titel „Wie neues Wissen in die Wirtschaft kommt“ im Regioverlag Berlin erschienen.

Foto: Beuth Hochschule für Technik Berlin

Danach kooperieren in Berlin 80 Prozent der Wissenschaftler von Fachhochschulen mit Unternehmen. Umgekehrt geben rund 50 Prozent der Firmen an, dass sie mit Hochschulen zusammenarbeiten. An der Spitze der Transferformate steht der Transfer über Köpfe, nämlich der Personalaustausch auf studentischer Ebene: Die Hochschulen suchen Praktika-Plätze für ihre Studenten und Praxis-Themen für Abschlußarbeiten. (2) Die Firmen ihrerseits sind in erster Linie an frischen und aufgeweckten Fachkräften interessiert. Auf Platz 2 der Motive kommt aber schon die „Erweiterung der FuE-Kapazitäten“, gefolgt von der „Erschließung neuer Innovationspotenziale“. (3)

Weitere besondere Ergebnisse der Studie, die Christian Hammel von TSB als Herausgeber hervorhob: Knapp die Hälfte der Absolventen bleibt nach dem Studium in der Region und findet hier einen Arbeitsplatz. 14 Prozent der Absolventen machen sich selbstständig, ein recht hoher Anteil.

Bei der Studie handelt es sich allerdings um eine Partial-Sicht: Befragt wurden lediglich drei technische Fachhochschulen auf wissenschaftlicher Seite (Beuth, HTW, Wildau).

Zu den Empfehlungen der Studie zählt unter anderem, die Sichtbarkeit der Unternehmen in den Hochschulen zu erhöhen und vice versa die Expertise der Hochschulen für die Unternehmen erkennbarer zu machen. Bei der Gründerförderung wird eine Verstetigung des schon vorhandenen Serviceangebotes empfohlen.

Auch Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) sprach bei der Vorstellung der Studie von einer „gewissen Unübersichtlichkeit“ im Transferbereich. Dies habe seinen Grund in der großen Zahl wissenschaftlicher Einrichtungen und der kleinteiligen Wirtschaftsstruktur in Berlin. Immerhin sei die „Transfer-Allianz“ ins Leben gerufen worden, unter anderem mit dem Ziel, die „Transparenz zu erhöhen“.

Nicht beantwortet werden konnte in der PK die Frage nach den Unterschieden zum Verbleib von FH-Absolventen und Uni-Absolventen in der Region. Die TU Berlin hatte in der Woche vorher gemeldet, dass 65 Prozent ihrer Absolventen nach dem Studium in Berlin bleiben und 6 Prozent nach Brandenburg gehen, mithin 71 Prozent der Region erhalten bleiben. Sehr viel mehr als die 50 Prozent FH-Absolventen. Die TU-Daten waren den TSB-Autoren indes nicht bekannt.  (mehr hier: TU-Pressemitteilung vom 14.7.2011:    65 Prozent derjenigen, die im Jahr 2008 ihr Studium an der TU Berlin abschlossen, nahmen ihre erste Beschäftigung in Berlin auf).

Manfred Ronzheimer für Lemmens Online

Weitere Ergebnisse der Studie zusammengefasst in dieser Pressemitteilung der TSB: (1)

Rund ein Drittel arbeitet ausschließlich mit Hochschulen in der Region zusammen. Dies zeigt, dass die Wissenschaftler in ein intaktes Forschungsnetzwerk mit Unternehmen vor Ort eingebunden sind und viele Unternehmen das regionale, wissenschaftliche Potential bereits für sich erschlossen haben. Die Studie identifiziert aber noch unerschlossenen Ressourcen, so gaben 70 Prozent aller befragten Unternehmen an, Kooperationen künftig aus- oder aufbauen zu wollen. (1)

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für das Zustandekommen von Kooperationen sind persönliche Kontakte. Hier sollten nach Ansicht der TSB weitere Anstrengungen unternommen werden, die Anzahl der Erstkontakte zwischen Wissenschaftlern und Mitarbeitern von Unternehmen zu erhöhen. Besonders fachspezifische Netzwerkveranstaltungen, wie sie beispielsweise bereits von der TSB organisiert werden, bieten sich hier an.

Bislang beginnen rund 50 Prozent der Absolventen ihre Berufslaufbahn in der Region, während die andere Hälfte abwandert. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist dies ein wesentlicher Standortvorteil für den Wirtschaftsraum. Um dieses Zukunftspotenzial bei der Gewinnung von Fachkräften stärker nutzen zu können, empfiehlt die TSB den regionalen Unternehmen, ihre Sichtbarkeit und Bekanntheit an den Hochschulen zu verbessern.

Ein Aspekt, dem nach Ansicht der TSB bislang noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist das hohe Gründungspotenzial aus Hochschulen. 14 Prozent der Absolventen, und damit ein durchaus relevanter Teil der Hochschulabgänger, machen sich nach dem Studium selbständig. Der größte Teil hiervon tut dies in der Region und schafft damit vor Ort Arbeitsplätze und Wertschöpfung.

Dr. Christian Hammel, Leiter des Bereiches Technologie und Innovation bei der TSB Technologiestiftung Berlin:
„Die Studie zeigt, dass das Interesse an Technologie bei Wissenschaft und Wirtschaft durchaus unterschiedlich ist. Während die Hochschullehrer vor allem schätzen, dass sie ihre Lehre und Forschung praxisorientierter gestalten können, sind die Unternehmen an der Gewinnung von Fachkräften und der Erweiterung ihrer eigenen Forschungskapazitäten interessiert. Diese Ergebnisse geben wichtige Hinweise darauf, wie der Technologietransfer noch mehr auf die Bedürfnisse der Beteiligten zugeschnitten und noch erfolgreicher gestaltet werden kann.“

Zusammenfassung der Studie "Wie neues Wissen in die Wirtschaft kommt: Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen in Berlin-Brandenburg": Download als pdf (4)

Die Studie ist in der der TSB-Schriftenreihe zu Technologie und Innovation erschienen. Sie kostet 20 Euro und kann beim Regioverlag bestellt werden: info(at)regioverlag.de

(1) http://www.berlin.de/sen/wtf/presse/archiv/20110718.1100.351533.html

(2) http://tsb-berlin.de/data/files/Downloads/20110718_KooperationenWirtschaft.jpg

(3) http://tsb-berlin.de/data/files/Downloads/20110718_KooperationenWissenschaft.jpg

(4) http://tsb-berlin.de/data/files/Downloads/Publikationen_aktuell/TSB_Transfer_ZuFassung.pdf