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Innovationsforschung für den Mittelstand

20.04.2011

Generationswechsel beim HARTING Graduiertenkolleg an der TU Berlin

Innovationen für den Mittelstand kann man auf konventionelle oder auf innovative Weise unterstützen. Konventionell sind die zahlreichen Förderprogramme für Innovationsprojekte in  KMU, die landauflandab ausgereicht werden. Einen anderen Ansatz verfolgt die HARTING Technologiegruppe mit ihrer Unterstützung des Graduiertenkollegs „Mittelstand und Innovation“ an der TU Berlin.

In Form von Promotionsstipendien wird hier in junge Forscher investiert, die ihre Wissenschafts-Karriere auf das Thema des innovativen Mittelstands und seine Rahmenbedingungen ausrichten. Das im Jahre 2008 gestartete Graduiertenkolleg – angesiedelt am  Fachgebiet Innovationsökonomie im Institut für Technologie und Management unter fachlicher Leitung von  Professor Knut Blind - stellt in diesem Sinne eine Verbesserung der innovationspolitischen Infrastruktur dar. Inzwischen hat die erste Generation ihre Doktorarbeiten abgeschlossen. Zum Jahresbeginn 2011 haben zwei neue Doktoranden ihre Qualifikationsstelle bei Prof. Blind angetreten.  
Zum Mittelstand zählen 99,7 Prozent aller Unternehmen in Deutschland, mit über 70 Prozent aller Arbeitsplätze.  Sie erwirtschaften über 40 Prozent aller steuerpflichtigen Umsätze und tätigen nahezu 50 Prozent aller Investitionen.

„Der Mittelstand ist zwar ein starker Innovationstreiber, aber in der Außenwirkung gelangt das nicht so ins Bewußtsein“, sagt Prof. Blind zum Anlaß des Vorhabens. Auch gebe es über KMU durchaus eine wirtschaftswissenschaftliche Forschung, gleichwohl  sei der Faktor Innovation im Mittelstand bislang unterbelichtet geblieben.  Ebenso die besondere Klasse der KMU, die sich im Zuge der Globalisierung in ihren Segmenten zu  Weltmarktführern entwickelt haben – den so genannten „Global Medium Sized Enterprises“ (GME). Es handelt sich zumeist um Familienunternehmen, bei denen die Kapitalmehrheit und Entscheidungsbefugnis in einer Hand liegen. Dennoch sind alles andere als konservativ, denn ihre Produkte sind  vor allem durch ständigen Innovations-Input auf den internationalen Märkten gefragt.

Harting weiß selbst nur zu gut, wie wichtig Innovationen für den Mittelstand sind – ist doch sein Unternehmen genau auf diese Weise zum international bedeutenden Akteur geworden. Unter anderem ist Harting mit Produkten der Elektrotechnik für Kraftwerksbetreiber im Geschäft. Ohne die innovative Ausrichtung hätte sich das Wachstum der Harting-Gruppe nicht so rapide vollzogen.

„Um diesen Themen-Bereich inhaltlich nach vorne zu bringen, haben wir mit Unterstützung von Herrn Dietmar Harting das Graduiertenkolleg eingerichtet“, erklärt Blind. Zwei Hauptaufgaben hat das Kolleg: 1. die Promotion, 2. die Entsendung in internationale Organisationen. Auf diese Weise soll der wissenschaftliche Nachwuchs zu einer konsequenteren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Erfolgsfaktoren und den notwendigen Rahmenbedingungen des global erfolgreichen deutschen Mittelstands ermuntert werden. Mittelfristig sollen sich zudem Alumni-Netzwerke bilden. „Unser Konzept will nachhaltig wirken“, unterstreicht Innovations-Professor Blind.

An finanzieller Unterstützung hat Firmen-Chef Dietmar Harting dem TU-Graduiertenkolleg eine Million Euro für die Dauer von sechs Jahren garantiert. Mit 150.000 Euro pro Jahr lassen sich zwei Promotionsstellen finanzieren. Da jede Promotion auf drei Jahre angelegt ist, können vier Personen gefördert werden. Derzeit  ist Halbzeit.

Mit den beiden ersten Absolventen des Graduiertenkollegs und ihren Dissertationen ist Prof. Blind sehr zufrieden: „Die Ergebnisse sind super“, lobt der Doktorvater. Die Graduierten Florian Köhler und Axel Mangelsdorf konnten ihre Doktorarbeiten nicht nur schneller als vorgesehen abschließen, auch inhaltlich lagen sie über dem Durchschnitt und erhielten bei den Bestnote „Summa cum Laude“.

Die Themen ihrer Doktorarbeiten behandeln das  Thema intellektueller Eigentumsrechte und Fragen der Standardisierung.  Schon im Vorfeld konnten sie ihre Themen über  Konferenzbeiträge und Zeitschriftenartikel in die internationalen wissenschaftlichen Debatten einzubringen.

Dr. Florian Köhler befasste sich in seiner Arbeit mit unterschiedlichen Aspekten des Patentwesens vom Anmeldeverhalten über Lizenzierungsstrategien bis hin zu Verletzungsrisiken.

Dr. Axel Mangelsdorf legte seinen Schwerpunkt auf die Standardisierung und Normung, ein noch wenig erforschtes Feld. Ihm ging es sowohl um die Motive der Partizipation an Normungsgremien als auch um die treibenden Faktoren für die Implementierung bestimmter Standards und die Wirkung von Standards für den Handel Europas mit China.  Für diese Arbeit wurde Mangelsdorf zudem mit in er Jahresveranstaltung des Deutschen Instituts für Normung (DIN) in Berlin mit dem "Sonderpreis Wissenschaft" ausgezeichnet.

Manfred Ronzheimer