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Innovationen aus der Forschung für die Industrie

06.04.2011

Berliner Exponate auf der Hannover Messe 2011

Wer die Hannover Messe von Norden erreicht, betritt zuerst die Halle 2, in der sich die meisten wissenschaftlichen Aussteller versammelt haben. Eine logische Position, denn am Anfang der Wertschöpfungskette der industriellen Produktion stehen die kreativen Etappen von Forschung und Innovation. Hier präsentiert auch der Forschungsmarkt Berlin-Brandenburg (Halle 2 Stand A30) seine Exponate aus Hochschulen und Forschungsinstituten, in einigen Fällen auch bereits mit Produktumsetzungen durch innovative Gründerfirmen. Nach längerer Pause ist der Forschungsmarkt der Hauptstadtregion 2011 wieder zum zweiten Mal auf der weltgrößten Industriemesse vertreten.

Trifense bietet Hackerschutz

Einen selbstlernenden Netzwerkschutz gegen Hackerangriffe hat die TU-Ausgründung Trifense entwickelt. Das junge Unternehmen, das auf der CeBIT 2011 als Hauptpreisträger des Gründerwettbewerb - IKT Innovativ des BMWi ausgezeichnet wurde, zeigt auf dem Stand des Forschungsmarktes seine innovativen Lösungen zur Abwehr von so genannten „Zero-Day“- Hackerangriffen in Multi-Gigabit-Netzwerken und sicherheitskritischen IT-Infrastrukturen in der Industrieautomation.

Dabei geht es nicht um konventionelle Virenabwehr, wie sie heute für jeden PC zur Grundausstattung gehören. Sondern im Mittelpunkt steht die Abwehr von Cyberattacken der höchsten Gefahrenklasse, so genannter „Exploits“, die sogar konventionelle Firewalls überwinden können. Gefährdet sind hier vor allem kritische Infrastrukturen wie Energieversorgung und öffentlicher Verkehr wie auch die weit verzweigten IT-Systeme großer Firmen.

Die TRIFENSE Sicherheitslösungen basieren auf hardware-optimierten maschinellen Lernverfahren, die den Einsatz in Multi-Gigabit-Netzwerken ermöglichen. Diese innovative Technologie erlaubt die eigenständige und zuverlässige Erkennung von Zero-Day-Angriffen sowie polymorpher Varianten bekannter Angriffe in Echtzeit. So kann ein effektiver Schutz gegen gezielt auf ein Unternehmen angepasste Angriffe gewährleistet werden.

Als Spin-Off der Technischen Universität Berlin besteht eine enge Kooperation bei wissenschaftlicher Grundlagenforschung und Entwicklung innovativer Methoden. Die TRIFENSE GmbH verfügt damit über fundierte theoretische und praktische Expertise auf den Gebieten der IT-Sicherheit und Datenanalyse.

„Unsere Pilotanwendung ist jetzt fertig, nun brauchen wir einen Pilotkunden, um die Technik weiter zu entwickeln“, erklärt Patrick Düssel, einer der drei Gründer. Eine halbe bis eine Million Euro werden benötigt, um die Defense-Technik in der nächsten Phase zu verbessern, dann in enger Kooperation mit dem ersten Anwendungskunden.

Große Unterstützung hat das im vergangenen Jahr gegründete Unternehmen durch ihre Heimat-Uni, die TU Berlin erfahren. „An der TU gibt es einen sehr guten Gründerservice. Der hat uns sehr geholfen“, berichtet Düssel. Auch in Richtung Weiterbildung und Kontakt mit Investoren. Diese Flankierung erhielt Trifense auch vom Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg, in dessen jüngster Runde das IT-Startup ebenfalls eine Auszeichnung erringen konnte.

Akustische Kamera für Innenräume

Eine echte Innovation hatte das Adlershofer Forschungsunternehmen gfai-Tech vor einigen Jahren mit ihrer “Akustischen Kamera” gelandet. Inzwischen sind von den Geräten, die Geräusche im Bild sichtbar machen, über 100 Stück im Einsatz. Vor allem in der Autoindustrie, die sich damit auf die Spur von unerwünschten Geräuschquellen macht. In Hannover stellen die Adlershofer nun erstmals eine Anwendung für die Bauakustik vor. “Es waren Kunden, die uns darauf gebracht haben, diese Visualisierungstechnik auch für Innenräume anzubieten”, berichtet Vertriebsingenieur Kevin Farr.

Mit einem Scanner werden nun die Räume, darunter auch Konzertsäle, abgebildet und mit den Ton-Messungen der Mikrofonkränze kombiniert. Undichte Stellen, Leckagen und “Schallbrücken” werden sofort erkennbar. “Das ist für uns ein komplett neuer Markt”, betont der gfai-Akustiker. “Vor allem kleine Bauingenieurbüros haben uns auf der Messe angesprochen”.

Am Energie-Stand in Halle 13 präsentiert sich das Berliner Elektrotechnikunternehmen Fuss EMV. Mit ihren speziellen Filtertechniken sorgt Fuss dafür, dass in Stromnetzen die Spannung konstant bleibt und Blackouts verhindert werden. Mit der Qualitätssicherung bei der Einspeisung von Solarstrom hat das Unternehmen einen starken Aufschwung genommen und ist auf 70 Beschäftigte gewachsen (Umsatz 2010: 5,9 Mio Euro). Viele der Fuss-Produkte wurden in den letzten Jahren im engen Kontakt mit Berliner Fraunhofer-Instituten entwickelt.

“Im laufenden Jahr werden wir voraussichtlich sieben weitere Mitarbeiter einstellen”, erklärt Firmenchef Volker Keddig. Vielleicht werden es sogar noch mehr, denn der neueste Stromfilter, eine intelligente “aktive” Version mit eingebauter Rechentechnik, erweist sich als der Messe-Renner. “In 90 Prozent der Kontakte hier auf der Messe werden wir auf dieses Produkt angesprochen, das wir gerade seit 18 Monaten auf dem Markt haben”, berichtet Keddig. Sehr interessiert zeigten sich auch chinesische Solartechniker, die auf die Berliner Firma per Internet aufmerksam wurden. Erst 25 Prozent der Fuss-Produkte gehen in den Export. “In Asien sind wir noch gar nicht vertreten”, bemerkt Fuss. Nach dieser Hannover Messe könnte sich das ändern.