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Theseus-Abschlußkongress in Berlin

18.02.2012

Größtes IT-Forschungsprogramm mit mehr als 1600 wissenschaftliche Einzelergebnissen

Mit einem dreitägigen Kongress ist in Berlin in dieser Woche eine Bilanz des  IT-Forschungsprogramm „Theseus“ gezogen worden. Mit THESEUS geht das mit 260 Mio Euro größte IKT-Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie nach fünfjähriger Laufzeit in diesem Jahr zu Ende. Im THESEUS-Forschungsprogramm entwickelten und erprobten rund 60 Partner neue Technologien für ein zukünftiges Internet der Dienste, das der gesamten deutschen Wirtschaft zu Gute kommen soll. Es wollte unter anderem neue Methoden zur effizienteren Wissenserschließung auf den Weg bringen, um die zunehmende Informationsflut besser beherrschbar zu machen. (1)

http://www.theseus.joint-research..org/theseus-kongress-2012/

http://www.theseus-programm.de/de/Abschlusskongress.php

http://www.theseus.joint-research.org/wp-content/uploads/2011/07/Programmheft-zum-THESEUS-Abschlusskongress.pdf

Die Abschlussveranstaltung bot einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse aus THESEUS, und zeigte auf, welche Visionen international mit dem Internet der Dienste verbunden sind. Im Ramada-Konferenzzentrum am Alexanderplatz wurden  zahlreiche Beispiele für neueste IKT-Lösungen „Made in Germany“ vorgestellt, die veranschaulichen sollten, wie Unternehmen und öffentliche Einrichtungen schon heute von den Entwicklungen aus THESEUS profitieren können. Insgesamt hat THESEUS mehr als 1600 wissenschaftliche Einzelergebnisse hervorgebracht. Ein Beispiel ist der Kfz-Schaden-Service, der nach einem Unfall automatisch die Versicherung, eine Vertragswerkstatt oder einen Sachverständigen informiert und zudem alle nötigen Formalitäten koordiniert. (2)

http://idw-online.de/pages/de/news463297

Neben dem Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Stefan Kapferer, sprachen zahlreiche Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung, wie beispielsweise Prof. Dr. Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) sowie Prof. Dr. Dieter Kempf, Präsident des BITKOM und Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Ergänzt wurde das Programm durch eine Ausstellung zahlreicher Demonstratoren und Prototypen, die von den jeweiligen Entwicklern betreut werden.

In der Auftaktveranstaltung am Montagabend (13.2.) gaben Prof. Dieter Kempf, Vorstandsvorsitzender der DATEV e. G., und Prof. Dr. Herbert Weber, Leiter der THESEUS-Begleitforschung, einen Überblick über Ansatz und Ergebnisse. Am Dienstag folgten nach den Einführungen der Forschungspolitiker die  Impulsreferate und Expertengespräche der Wirtschaftsverterter: Dr. Cord F. Stähler, Siemens AG, CTO HealthCare Sector, Dr. Thomas Endres, CIO Deutsche Lufthansa und Sprecher CIOcolloquium, Dr. Stefan Wess, Geschäftsführer der Attensity Europe GmbH, sowie Hervé Couturier, Executive Vice President, Forschungsleiter SAP AG, mit dem  Vortrag „Business Web Initiative“. An die erste Runde von Best Practise-Beispielen schloß sich am späten Nachmittag eine forschungspolitische Diskussion an, an der sich MinR Dr. Andreas Goerdeler, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Prof. Dr. Dres. h. c. Arnold Picot, LMU München und Prof. Dr. Herbert Weber, THESEUS-Begleitforschung, beteiligten.  Der dritte Konferenztag wurde eröffnet mit Keynotes von Dr. Richard M. Soley, Chairman und CEO Object Management Group (OMG), Peter Fatelnig, EU-Kommission/ Deputy Head of Unit im Bereich DG Infso sowie Prof. Dr. rer. nat. Dr. h. c. mult. Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der Geschäftsführung und technisch-wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz GmbH.

Kritische Beobachter finden den „Big Science“-Ansatz nicht verkehrt: „Ein so großer Kreis an deutscher Elite in Informatik und Softwareentwicklung in der Wirtschaft und in der Wissenschaft hat meines Wissens noch nie zuvor gemeinsam auf ein Ziel hingearbeitet“, äußert sich ein IT-Experte gegenüber Lemmens online. „Dass die Ergebnisse vielleicht anders aussehen, als man sich vorher erhofft hat, mag an der bahnbrechenden Erkenntnis liegen, dass die Wirtschaft den Gesetzen der Wirtschaft gehorcht, nämlich Geld verdienen will und muss. Bewegt worden ist auf jeden Fall einiges – wie zahlreiche neue Kooperationen. Auch wenn nun kein Gegenentwurf zu Quero herausgekommen ist.“

Ursprünglich war das Theseus Forschungsprogramm 2006 als Leuchtturmprojekt im Bereich „semantische Suchmaschinen“ aus dem deutsch-französischen Quaero-Projekt hervorgegangen, das die Franzosen als „europäische Google-Konkurrenz“  angelegt sehen wollten, womit die deutsche Seite aber nicht einverstanden war. Auf dem IT-Gipfel im Dezember 2006 erklärte die Bundesregierung  ihren Ausstieg aus dem deutsch-französischen Konsortium und etablierte Theseus als nationales Programm. Zentrale Punkte waren seitdem das  „Internet der Dienste“ und das  „Web 3.0“.  (3)

http://de.wikipedia.org/wiki/Theseus_%28Forschungsprogramm%29

„Durch die Kombination der Informatik-Trends ‚Semantisches Web’ und ‚Web 2.0’ ergibt sich in THESEUS die Chance, als Web 3.0 eine innovative Wissensinfrastruktur zu schaffen, die völlig neuartige Formen des Wissenszugriffs, des Wissensmanagements und der webbasierten Dienste, Anwendungen und Geschäftsmodelle ermöglicht.“ Mit diesen Worten umriß Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, die Erwartungen, mit denen das Programm gestartet war.

Zu den Basistechnologien, die von den Forschungspartnern entwickelt wurden, gehörten unter anderem Funktionen zur automatisierten Erzeugung von Metadaten für Audio-, Video-, 2D und 3D- Bilddateien und deren Kombination, sowie Mechanismen für die semantische Verarbeitung multimedialer Dokumente und der damit verknüpften Services. Die Basistechnologien wurden in sechs konkreten Anwendungsszenarien umgesetzt:  Alexandria, Contentus, Medico, Ordo, Processus, Texo.

Alexandria ist eine Wissensplattform im Internet mit neu entwickelten Ordnungssystemen.

Contentus unterstützt den Aufbau von multimedialen Bibliotheken, z. B. Deutsche Digitale Bibliothek.

Medico ist eine universell einsetzbare Suchmaschine für medizinische Bilder.

Ordo ermöglicht durch semantische Technologien die Ordnung von digitalen Informationen für  ein effizientes, individuelles Wissensmanagement.

Processus ist eine semantische Plattform für unternehmensinterne Ressourcenplanung und  Geschäftsprozesse

Texo will Dienste im Internet handelbar machen und zu Mehrwertdiensten zusammenzusetzen. (3)

http://de.wikipedia.org/wiki/Theseus_%28Forschungsprogramm%29

Als sich kritische Stimmen mehrten, wonach das BMWi-Förderprogramm, nur den großen IT-Firmen in Deutschland nütze, wurde 2009 der Theseus Mittelstand-Technologiewettbewerb gestartet. Mit ihm wurden  Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) aufgefordert, eigene Ideen für das Internet der Dienste einzubringen und unter Nutzung der bisherigen Forschungsergebnisse und Technologien aus dem Theseus Programm bis 2012 in anwendungsnahen Projekten umzusetzen. Aus 65 Vorschlägen wurden 12 Projekte zur Förderung mit rund 10 Millionen Euro durch das BMWi ausgewählt. Diese Projekte wurden im Herbst 2011 in Berlin präsentiert.

Beteiligung der Fraunhofer-Gesellschaft

„Ein Ziel des Forschungsprogramms war es, das Wissen der analogen Welt in digitale Dateien umzuwandeln, es zu erschließen und so für das Internet überhaupt erst verfügbar zu machen. Das gilt für Bücher und Zeitungen, für Audio- und Videoaufnahmen und auch für Filmrollen, die zu Hunderttausenden in Archiven lagern. In THESEUS wurden Verfahren erarbeitet, die all diese analogen Datenträger in Windeseile digitalisieren und analysieren. Das ist entscheidend, denn bislang gibt es von den wenigsten Dokumenten oder historischen Kunstschätzen Digitalkopien. Allein für die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB), ein öffentlich gefördertes Projekt, das Kunstwerke, Literatur oder Film- und Tonaufnahmen aus rund 30 000 deutschen Museen und Sammlungen verfügbar machen soll, müssen Hunderttausende Kleinodien erfasst werden. Auch die DDB setzt auf die neue Digitalisierungs-Technologie. Dazu gehören Archivierungs-Programme, die den Inhalt der Medien automatisch verschlagworten und so kodieren, dass Internet-Programme darauf zugreifen können – in Form von Videos im MPEG4-Standard zum Beispiel.“ (4) 

http://idw-online.de/pages/de/news463297

Medico: Medizinische Daten intelligenter nutzen

Siemens AG informiert:

„Medico, ein computerbasiertes Assistenzsystem, könnte Ärzte künftig bei der Diagnose und Therapiefindung unterstützen. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur personalisierten Medizin. Medico ist eines von sechs Anwendungsszenarien des Forschungsprogramms Theseus des Bundeswirtschaftsministeriums. Seit Ende 2007 entwickeln etwa 60 Partner neue Technologien für das Internet der Dienste. Bei Medico arbeiten Forscher von Siemens mit Partnern der Universitätsklinik Erlangen, des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und der Fraunhofer Gesellschaft.“ Weiter hier (5)

http://idw-online.de/pages/de/news463133

Visuelle Modellierung von Geschäftsmodellen

Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO:

„Das Softwaregeschäft befindet sich im Umbruch: Statt Softwarelösungen klassisch zu kaufen und zu installieren, beziehen immer mehr Nutzer Datenspeicher und Anwendungen aus dem Internet und bezahlen IT-Ressourcen nach Verbrauch. Schließlich lassen sich durch Software-as-a-Service und Cloud-Lösungen Kosten sparen, da Unternehmen Rechnerkapazitäten nicht mehr oder zumindest nicht im vollen Umfang vorhalten müssen. Um zukünftig konkurrenzfähig bleiben zu können, müssen Softwareanbieter sich auf diesen Trend einstellen und neue Geschäftsmodelle entwickeln.
Das Fraunhofer IAO unterstützt diese dabei mit dem neuen Buch »Neue Geschäftsmodelle für die Cloud entwickeln − Methoden, Modelle und Erfahrungen für Software-as-a-Service im Unternehmen«. Das Buch wird ergänzt durch die Webanwendung »[moby]-Business Model Designer«, eine Software zum visuellen Entwurf von Geschäftsmodellen per Mausklick.“  (6)

Das Buch und der »[moby]-Business Model Designer« wurden auf dem THESEUS-Abschlusskongress erstmalig der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Mehr hier (6)

http://idw-online.de/pages/de/news461807

Weitere Anwendungen:

"IchFahrApp" -  eine mobile Ad-Hoc-Mitfahrzentrale

http://www.ka-news.de/wirtschaft/karlsruhe/Mitfahrgelegenheit-per-sofort-gesucht-IchFahrApp-in-Karlsruhe-vorgestellt;art127,807214

Radminer: Neue, webbasierte Befundungshilfe für die Radiologie

http://yellowmed.com/de/nachricht/medizintechnik/neue-webbasierte-befundungshilfe-fuer-die-radiologie/

http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/klinikmanagement/article/802522/bilderflut-radiologen.html

»Eat and Drink«-App: Informationen über Restaurants, Cafés und Bars.

http://www.juraforum.de/wissenschaft/massgeschneiderte-suchtools-fuers-web-386895

THESEUS in der Presse:

http://www.theseus-programm.de/de/Pressespiegel.php