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Kernfusion … und Tschüss!

02.03.2012

Eine erstaunliche Empfehlung der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)

Den forschungspolitischen Knaller hat die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) in ihren Bemerkungen zur Energiewende auf S. 31 versteckt: Lasst uns anfangen, über das Ende der Kernfusion nachzudenken. So pointiert steht es dort zwar nicht. Sondern mit den gewägten Worten:  „Vor dem Hintergrund der Energiewende sollte nach Ansicht der Expertenkommission die Schwerpunktsetzung im Bereich der Kernfusion überprüft werden.“ Aber der Stein für die nächste nukleare Absetzbewegung, diesmal in der Forschung, ist damit ins Wasser geworfen - und wird nun Kreise ziehen.

Wie argumentiert die EFI-Kommission?  Zum einen mit dem Ungleichgewicht der Kosten: Von den Geldern, die die Helmholtz-Gemeinschaft in den Jahren 2010 bis 2014 für das Energiethema ausgibt, gehen 42 Prozent bzw. 562 Mio Euro in die Kernfusion -  hier in Gestalt des MPG-Institut für Plasmaphysik mit seinen Standorten Garching und Greifswald, das im Bereich der Grundfinanzierung ausschließlich durch die HGF finanziert wird.  Zum anderen mit dem Umfang: „Insbesondere stellt sich die Frage, ob Deutschland zwei unterschiedliche Technologiekonzepte (Tokamak und Stellarator) parallel verfolgen sollte.“ Und wo man schon beim Aufräumen ist: Auch auf die „nukleare Transmutationsforschung“, ein Karlsruher Thema, könne ja verzichtet werden. Jedenfalls deren Relevanz für Deutschland nochmal geprüft werden.

Dass es mit dieser Prüfung nicht besonders weit her ist, haben EFI-Experten aus dem letzten Energieforschungsbericht der Bundesregierung herausgelesen: Gerade mal eine halbe Seite wird dort der Fusionsforschung und auch der nuklearen Sicherheits- und Entsorgungsforschung gewidmet. „Die Spärlichkeit der Doku­mentation steht in keinem angemessenen Verhältnis zu den Mitteln, die in diese Bereiche hineinfließen“, monieren die Forschungsprüfer. Schon wieder unverhältnismäßig.

Und schließlich die Europa-Baustelle. Bereits in ihrem Bericht 2011 hatte die EFI-Kommission beim internationalen Fusionsreaktor-Projekt ITER den Zeigefinger warnend gehoben: „Beispiel für ein schwerwiegendes Managementversagen“. Die Bundesregierung wurde aufgefordert, sich für den Aufbau besserer Managementstrukturen einzusetzen. „Den derzeitigen ineffizienten Umgang mit Forschungsgeldern können sich die EU und Deutschland nicht leisten“, kritisierte die Kommission vor einem Jahr. Was ist passiert? Nicht viel. In ihrem aktuellen Gutachten fordert EFI eine „weitergehende Transparenz“: Es sollte klar erkennbar sein welche Gelder  für Kernspaltungs- und Kernfusionstechnologien im Rahmen des Euratom-Abkommens ausgegeben werden und welche für das deutsche  Energieforschungsprogramm.

Energie ist in diesen Zeiten ein heißes Thema, auch bei Forschers.  Auf die Reaktionen zu den Fusions-Empfehlungen der EFI darf man gespannt sein.

Manfred Ronzheimer

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Deutsche FuE-Quote „zu wenig ambitioniert“

29.02.2012

Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) stellt Jahresgutachten vor

zum ausführlichen Text

http://www.lemmens-online.net/wissenschaftspolitik/details/artikel/
deutsche-fue-quote-zu-wenig-ambitioniert.html