EDITORIAL
Editorial

Themen aus der Gruppe finanzieren

Unabhängiger Journalismus ist ein hohes Gut. Um dies zu erhalten, gehen wir neue Wege. Seit über einem Jahr stellen wir als Redaktion fachliche Themen zur Diskussion. Unsere Leser bewerten deren Wichtigkeit. Bereits hierdurch beteiligen sie sich an der redaktionellen Arbeit. Aus dieser Sammlung ist ein lesenswerter Überblick der vergangenen Monate entstanden.


NEWSLETTER

Mit unserem Newsletter immer auf dem Laufenden.


TERMINE

Bundeswissenschafts- woche

Wichtige Termine der Forschungs- und Hochschulpolitik in Deutschland – Ein Service von lemmens online


FACHJOURNALISMUS

Crowdfunding

Leser beteiligen sich an der Themenfindung


FORSCHUNG

Citizen Science

Bürger im Dialog mit Wissenschaftlern


Editorial

Die Exzellenzinitiative der Wissenschaftspolitik

09.03.2011

Das Formel-1-Rennen der deutschen Wissenschaft läuft in der zweiten Austragung. Das Teilnehmerfeld wurde in der vorigen Woche deutlich – um 75 Prozent – verkürzt. Erste Qualitätsurteile sind dadurch möglich: Deutschland findet seine Super-Unis.

Aber die Bewertung und Identifizierung der Besten muß sich nicht nur auf die teilnehmenden Universitäten erstrecken.  Da sie als Landeseinrichtungen stark von der Wissenschaftspolitik ihrer Bundesländer abhängig sind und von dieser beeinflußt werden, läßt sich innerhalb der Exzellenz-Initiative ein zweites Qualitäts-Ranking ableiten: Wo wird die erfolgreichste Wissenschaftspolitik gemacht? Im  Besten-Lauf der Hochschulen wird wie in einer Matroschka-Puppe eine zweite, freilich föderal nicht intendierte Rangordnung der deutschen Wissenschaftspolitik erkennbar. Das Ende der Legende von der Gleichrangigkeit der deutschen Universitätslandschaft gilt auch für die Politik: Lediglich sechs der 16 Bundesländer betreiben eine Wissenschaftspolitik, die Exzellenz in größerem Umfang möglich macht.

Auffallend auf den ersten Blick ist das starke Abschneiden Nordrhein-Westfalens, das als einziges Bundesland zwei seiner Universitäten in die Auswahl der Zukunftskonzepte gebracht  und neun Exzellenzcluster neu im Rennen hat. Während Baden-Württemberg, das in der ersten Runde mit vier Elite-Unis am besten abschnitt, nun in der zweiten Runde einen fünften Standort antreten läßt (Tübingen), kommt in Bayern kein weiterer Elite-Kandidat hinzu – die Kräfte für diese Qualitätszone reichen offenbar nur für München. Interessant ist der kleine Aufsteiger-Effekt von Rheinland-Pfalz., das sich vom Ende der Tabelle ins Mittelfeld bewegen konnte.

Um zu einem Bundesländer-Ranking im Exzellenz-Wettbewerb zu kommen, kann man in einem quantifizierenden Verfahren für eine erfolgreiche Nominierung einer Graduiertenschule 10 Punkte vergeben, für einen Exzellenzcluster 20 Punkte und für das Zukunftskonzept einer Universität 50 Punkte. Nach diesem Meßverfahren steht NRW mit 330 Punkten an der Spitze der Tabelle, gefolgt von Baden-Württemberg mit 170 Punkten – doch schon ein deutlicher Abstand. Auf Platz drei steht Berlin mit 140 Punkten, knapp dahinter Aufsteiger Rheinland-Pfalz mit 130 Punkten. Den fünften Rang teilen sich mit 90 Punkten Bayern und Sachsen.

Damit ist im wesentlichen das Führungsfeld deutscher Wissenschaftspolitik umrissen. Der Blick auf die erste Runde des Exzellenzwettbewerbs 2006/07 fördert nämlich die gleichen Verdächtigen zu Tage. Dort kommt nach unserer Messung Baden-Württemberg mit 430 Punkten auf Platz 1, gefolgt von Bayern mit 270, NRW mit 240 und Berlin mit 200. Das Mittelfeld verkörpern Niedersachsen mit 130 Punkten, Hessen mit 100 und – mit zugedrücktem Auge - Schleswig-Holstein mit 60. Für die übrigen Bundesländer fällt das Ergebnis beider Wertungen minimalst aus: Bremen, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Sachsen-Anhalt, Thüringen - sieben Bundesländer, in denen Wissenschaftspolitik zwar nominell stattfindet, die aber so gut wie keine herausragenden Ergebnisse zeitigt.

Manfred Ronzheimer